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Störbilder des Schönen
Ein Mosaik aus Farbverläufen und Bildmotiven, Fragmenten und Prismen
wird dem Auge in den Fotografien Tilda Georges geboten. Festgehalten ist
ein Zustand, in dem Farben und Gegenstände sich nicht ergänzen, sondern
sich zwischen ebenso gleitenden wie unterbrochenen Übergängen zu aufgesprengten
Ikonen visueller Ereignisse verdichten. Diese Störbilder sind Verletzungen
jener Perfektion, wie sie erst mit der Computertechnologie möglich
wurde und sie sind zugleich deren Ergebnis. Es sind Bilder von Bildern, die
sich digitalisierten Strukturen verdanken und mit denen sie bekannte, medial
vermittelte Silhouetten zersetzen und sich zu etwas optisch Neuem verselbstständigen.
Eine ungewöhnliche Schnittstelle zwischen Realität und Virtualität
ist entstanden.
Tilda George beschäftigt sich in ihren fotografischen Werken mit der sehr
jungen Kunstform „Glitch Art“, deren Muse der Computerfehler ist. Im elektronischen
Feld ist ein ‚Glitch‘ oder auch ‚Störschub‘, eine Art Korruption von
digitalen Codes und Daten. Absichtlich instruierte Fehler führen zu zufälligen
Bildstörungen. Diese Störungen kennzeichnen die Werke dieser Kunstrichtung,
denn der sogenannte Fehler verleiht ihnen das ästhetische Wesen. Betrachtet
man die Werke entsprechend ihrer den Sinnen zugeführten Ausstrahlung,
so fügt sich das vermeidliche Chaos der gestörten digitalen Erzeugnisse
zu ebenso ungewöhnlichen wie harmonischen Kompositionen, sie werden
Kunst.
Text zur Ausstellung „digital mirror“
in Gallery Container, Tbilisi, Georgien, 2017

Glitch Art bedeutet etwas zu zerstören und anschließend wieder zusammenzufügen um etwas Neues, vielleicht sogar noch nie Dagewesenes zu erschaffen. Es ist ein widersprüchlicher Dialog zwischen Mensch und Maschine. Der Mensch, der absichtlich Daten in fremde Muster gliedert und die Maschine, die den durch diese Geste der Beeinträchtigung eintretenden Misserfolg erlaubt, werden zu Komplizen auf ungewöhnliche Weise. Nicht nur der Betrachter, auch der Künstler wird von der Maschine überrascht. Was letzten Endes dargestellt wird, lässt sich schwer prognostizieren, insofern bleibt immer ein Aspekt des Unverständnisses. Auch wenn es unseren Gewohnheiten zuwiderläuft, wird daran deutlich, wie ein Fehler nicht nur Bilder sondern auch unser Leben strukturieren kann. Der Fehler treibt uns sogar an und ermöglicht neue Wege und Blickwinkel, die wir sonst nicht in Erwägung ziehen könnten. Demnach ist der mit den Ergebnissen der Glitch Art ins Blickfeld gerückte Fehler nicht nur aufgezeigt, sondern umgemünzt. Er wird zu jenem Zufall, der als ästhetischer Augenblick festgehalten wird.